Sie sind hier: Startseite Nachrichten Onkologische Patienten schmerzmedizinisch unterversorgt

Onkologische Patienten schmerzmedizinisch unterversorgt

18.10.2017 12:00
Menschen mit Tumorerkrankungen sind schmerzmedizinisch zu einem beträchtlichen Teil unter- und fehlversorgt. Das belegen Ergebnisse einer Online-Befragung der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V. und der Deutschen Schmerzliga (DSL) e.V. (www.Praxisumfrage-Tumorschmerz.de) unter mehreren tausend Betroffenen. „Die Auswertung der Befragung deckt ernstzunehmende schmerzmedizinische Versorgungslücken auf, die alle Beteiligten zum Umdenken motivieren sollte“, erläuterte PD Dr. med. Michael A. Überall, Präsident der DSL, Vizepräsident der DGS und Leiter der Patientenumfrage am Rande des Schmerzkongresses in Mannheim.

Bisher lagen von Patienten mit einer Tumorerkrankung zu wenige Daten über Häufigkeit, Charakteristik, Intensität und Ausmaß tumorschmerz-bedingter Beeinträchtigungen sowie die medikamentöse Behandlung vor, um die Versorgungsituation richtig einschätzen zu können. „Dabei ist eine effektive Schmerztherapie für die betroffenen Patienten eine wesentliche Voraussetzung, um am alltäglichen Leben mit einer befriedigenden Lebensqualität teilhaben zu können“, erläuterte PD Dr. med. Michael A. Überall in Mannheim.

Um Informationen über die schmerzmedizinische Versorgung und das Ausmaß schmerzbedingter Beeinträchtigungen auf Lebensqualität und Alltag der Betroffenen standardisiert erfassen zu können, startete die DGS gemeinsam mit der DSL Anfang des Jahres die „PraxisUmfrage Tumorschmerz“ (www.Praxisumfrage-Tumorschmerz.de). Bundesweit wurden Betroffene dazu aufgerufen, unter Verwendung eines standardisierten Online-Fragebogens Auskunft über ihre Schmerzen zu geben.

Optimierungsbedarf bei der Behandlung von Tumorschmerzen

Die Analyse der Daten zeigt, dass ein Großteil der Befragten (n=3.707) neben Dauerschmerzen zusätzlich unter akuten Schmerzattacken leidet. Laut Überall könnten bei einem Drittel dieser Patienten (n=1.064) allein durch eine Optimierung der Dauerschmerztherapie die akuten Schmerzattacken vermieden werden. Bei den übrigen Patienten (n=2.643) wäre aus Sicht der Schmerzmediziner eine spezifische Notfall- / Rescuetherapie sinnvoll – diese erhält aber weniger als ein Drittel der dafür eigentlich infrage kommenden Betroffenen.

Die Schlussfolgerung des Schmerzexperten: „Wir müssen die schmerzmedizinische Ausbildung in den beteiligten Disziplinen stärker fokussieren und die Bedeutung einer suffizienten, individualisierten schmerzmedizinischen Versorgung von Tumorpatienten mit Dauer- und Durchbruchschmerzen in Bezug auf Alltagsfunktionalität und Lebensqualität noch stärker verdeutlichen.“ Das gelinge z. B. durch spezifische Fortbildungsveranstaltungen sowie die Implementierung versorgungsrelevanter Leitlinien, wie der DGS-PraxisLeitlinie zu Tumorschmerzen und tumorbedingten Durchbruchschmerzen.

Artikelaktionen
Editorial

Editorial 06/2017

Mühsam nährt sich das Einhörnchen

Tag Cloud