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BVMed: "Eigene Methodik für MedTech-Nutzenbewertung entwickeln"

13.04.2016 15:17
Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) hat auf seiner Mitgliederversammlung in Berlin eine eigene Methodik für die Nutzenbewertung von Medizintechnologien gefordert. "Wir setzen uns dafür ein, dass eine neutrale Einrichtung im Rahmen der Evidenzbasierten Medizin wissenschaftliche Leitlinien für die Methodik zur Nutzenbewertung von Medizintechnologien entwickelt. Diese Leitlinien müssen die Besonderheiten der Medizinprodukte besser berücksichtigen", sagte der BVMed-Vorstandsvorsitzende Dr. Meinrad Lugan auf der Mitgliederversammlung des Verbandes am 12. April 2016 in Berlin.

Nutzenbewertung sei "richtig und wichtig". Die MedTech-Unternehmen seien für eine sachgerechte Nutzenbewertung im Einklang mit höchster Patientensicherheit. Ziel müsse es aber bleiben, dass Patienten in Deutschland auch künftig schnell von modernen und sicheren Medizintechnologien profitieren können. Das neue
Nutzenbewertungsverfahren für neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden mit Medizintechnologien hoher Klassen beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) müsse sich daher auf Sprunginnovationen beschränken. Es dürfe die für die MedTech-Branche so typischen Schrittinnovationen zur kontinuierlichen
Verbesserung und Anpassung der Technologien nicht behindern, so Lugan.

Bei den Verhandlungen um die neue europäische Medizinprodukte-Verordnung sieht der BVMed nach wie vor das vorgesehene aufwändige "Scrutiny-Verfahren", also die zusätzliche Überprüfung der Konformitätsbewertung der Benannten Stellen durch ein weiteres Prüfgremium, als besonders kritisch an. Es würde zu "unnötiger Bürokratie und Doppelprüfungen führen, ohne mehr Patientensicherheit zu bieten. Wir lehnen dieses Verfahren ab", so der BVMed-Vorsitzende. Der Verband setzt sich außerdem für eine Bestandsschutzregelung für Produkte ein, die höher klassifiziert werden und für die bislang Literaturdaten ausreichend waren. Eine obligatorische Haftpflichtversicherung, die beispielsweise vom Parlament gefordert wird, lehnt der BVMed ab. Verbesserungen seien bei der Benennung und Überwachung der Benannten Stellen notwendig, um in Europa ein einheitlich hohes Niveau zu erreichen. Um die Überwachung der Hersteller durch die Marktüberwachungsbehörden in den einzelnen Mitgliedsstaaten zu verbessern, müsse es eine weitere Angleichung der Marktüberwachungs-Mechanismen geben.

Zur Lage der MedTech-Branche nannte Lugan auf der BVMed-Mitgliederversammlung drei Fakten:

1. Die MedTech-Branche ist ein wichtiger Wirtschafts- und Arbeitsmarktfaktor.
Die Branche beschäftigt in Deutschland über 190.000 Menschen – und damit mehr als die Pharmaindustrie. Jeder Arbeitsplatz sichert zudem 0,75 Arbeitsplätze in anderen Bereichen. Die deutschen MedTech-Unternehmen wachsen dabei insbesondere auf ausländischen Märkten. Die Exportquote liegt bei 68 Prozent. Der Gesamtumsatz der MedTech-Unternehmen lag in Deutschland im Jahr 2015 bei 28,4 Milliarden Euro.

2. Die MedTech-Branche ist mittelständisch geprägt.
95 Prozent der MedTech-Unternehmen beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter.

3. Die MedTech-Branche ist innovativ und hat sehr kurze Produktzyklen.
Rund ein Drittel ihres Umsatzes erzielen die deutschen Medizintechnikhersteller mit Produkten, die nicht älter als 3 Jahre sind. Im Durchschnitt investieren die forschenden MedTech-Unternehmen rund 9 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung.

Eine abgestimmte Innovationspolitik zwischen Forschungs-, Wirtschafts- und Gesundheitsressort sei daher von großer Bedeutung, um die Innovationskraft der MedTech-Branche zu erhalten.

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