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Inflation trifft Generika-Branche: Bis zu 500 Prozent höhere Kosten – und keine Chance, die Preise zu erhöhen

04.07.2022 09:35
Dass die Kosten für Produktion, Energie und Transport explosionsartig ansteigen, setzt die Generika-Unternehmen massiv unter Druck. Und es kann Auswirkungen auf die Arzneimittelversorgung haben. Davor warnt ein offener Brief des europäischen Generikaverbandes „Medicines for Europe“, der jüngst an ausgewählte EU-Kommissare, nationale Gesundheitsminister sowie Mitglieder des EU-Parlaments verschickt wurde.

Während andere Branchen ihre Preise erhöhen können, gilt das für Generika-Unternehmen nicht. Lässt sich ein Arzneimittel nicht mehr wirtschaftlich produzieren, muss sich der Hersteller aus der Versorgung zurückziehen. Und das kann zu Engpässen führen.

In welchen Bereichen steigen die Preise?

  • Angesichts gestörter Lieferketten sind die Kosten für Seefracht massiv gestiegen. Ein Container von Shanghai nach Rotterdam kostete im Januar 2022 über 500 Prozent mehr als vor der Pandemie.
  • Auch die Preise für Verpackungsmaterial klettern in die Höhe. Ob Papier, Aluminium oder Kunststoff – das ist um bis zu 135 Prozent teurer als im Vorjahr. Ein Anstieg, der zum Problem wird für eine Branche, die jedes Jahr Millionen Patientinnen und Patienten mit Milliarden von Tabletten versorgt und dafür Faltschachteln, Plastikblister und Aluminiumfolien benötigt.
  • Kritisch ist auch die Entwicklung bei vielen Ausgangs- und Wirkstoffen. Der Preis für DMA etwa – das ist ein Ausgangsstoff für das Diabetes-Mittel Metformin – ist binnen eines Jahres um 180 Prozent gestiegen. Der Festbetrag für Metformin (das, was der Hersteller von den Krankenkassen erstattet bekommt) steigt aber nicht. Er ist seit zehn Jahren derselbe. Für die Drei-Monats-Packung bezahlen die Kassen dem Hersteller 6,17 Euro – da sind die Rabatte, die die Kassen erhalten, noch nicht abgezogen.


Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Generika: „Explodierende Preise machen derzeit den meisten Branchen zu schaffen. Generika-Hersteller aber treffen sie besonders hart. Warum? Butter, Fahrräder oder Flugreisen können teurer werden. Und als Verbraucher und Verbraucherinnen können wir die eine oder andere Anschaffung überdenken oder verschieben. Für lebenswichtige Arzneimittel gilt das aber nicht. Hier sind die Preise im Kellerniveau einbetoniert. Ist eine Produktion nicht mehr wirtschaftlich, hat der Hersteller keine Wahl: Entweder er macht Verluste oder er muss sich aus der Versorgung zurückzuziehen.“

Was muss geschehen, damit die Arzneimittelversorgung trotz steigender Preise stabil bleibt?

„Wir brauchen ein Preissystem, das atmet“, sagt Bork Bretthauer. „Es kann doch nicht sein, dass Preise zehn Jahre lang gleichbleiben, während die Kosten nach oben klettern. Instrumente wie Festbeträge müssen an die Inflation angepasst werden. Nur so können unsere Unternehmen, die immerhin 80 Prozent der Arzneimittel bereitstellen, eine stabile Versorgung gewährleisten.“