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Leopoldina-Diskussionspapier schlägt Maßnahmen zur Stärkung der Wissenschaftskompetenz von Ärzt:innen vor

15.06.2022 10:17
Eine optimale Gesundheitsversorgung setzt voraus, dass Ärztinnen und Ärzte nach dem aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse handeln. In Deutschland erfolgen Erwerb und Erhalt von Wissenschaftskompetenz in der ärztlichen Aus-, Weiter- und Fortbildung bisher jedoch unsystematisch und unkoordiniert. Für Patientinnen und Patienten ist zudem nicht transparent, ob die sie behandelnden Ärztinnen und Ärzte auf dem aktuellen Stand von Entwicklungen in der Medizin sind. Das Mitte Juni veröffentlichte Leopoldina-Diskussionspapier "Ärztliche Aus-, Weiter- und Fortbildung – für eine lebenslange Wissenschaftskompetenz in der Medizin" macht Vorschläge, wie Wissenschaftskompetenz während der gesamten Berufstätigkeit sichergestellt werden kann.

Die Coronavirus-Pandemie hat verdeutlicht, wie wichtig die Fähigkeit zu wissenschaftsbasiertem ärztlichem Denken und Handeln ist, schreiben die Autorinnen und Autoren. Zugleich hat sie Schwachstellen aufgezeigt ‒ etwa im Umgang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und deren kritischer Einordung, aber auch bei der Kommunikation mit Politik und Öffentlichkeit. Eine Ursache dafür sehen die Autorinnen und Autoren in dem unzureichenden Stellenwert, der der Wissenschaftskompetenz in der ärztlichen Aus-, Weiter- und Fortbildung bislang zukommt. Diese wäre stärker im gesamten System zu verankern.


Für die Weiter- und Fortbildung empfehlen die Autor:innen, die Rollen und Verantwortlichkeiten der Ärztekammern, kassenärztlichen Vereinigungen, Fachgesellschaften und weiterer Akteure mit Blick auf die ärztliche Wissenschaftskompetenz grundsätzlich zu überdenken, zu präzisieren und gegebenenfalls neu zu definieren, um mehr Verbindlichkeit und Kontrolle zu schaffen. Medizinische Fakultäten und die Universitätsmedizin erfüllen eine zentrale Funktion in der Vermittlung von Wissenschaftskompetenz. Deshalb sollten sie bei der Ausgestaltung von Weiter- und Fortbildungen, deren Inhalten und Rahmenbedingungen eine koordinierende und unterstützende Rolle einnehmen. Fortbildungen sollten stärker curricular und gegebenenfalls modular aufgebaut werden sowie neue Diagnostikverfahren und Behandlungsmethoden integrieren.


Inhaltlich müssten Weiter- und Fortbildungen stärker als bisher neue Möglichkeiten der Molekularbiologie, Biotechnologie und Digitalisierung in der Medizin, Auswirkungen gesellschaftlicher und globaler Veränderungsprozesse sowie ethische Aspekte berücksichtigen. Ärzt:innen, die an der Schnittstelle zwischen Forschung und Versorgung arbeiten, sogenannte Clinician Scientists, spielen eine wichtige Rolle, um Wissenschaftskompetenz in den ärztlichen Alltag zu überführen. Auch die Fähigkeit von Ärztinnen und Ärzten wissenschaftliche Erkenntnisse im individuellen Gespräch sowie im öffentlichen und medialen Austausch verständlich, sachgerecht und unvoreingenommen zu vermitteln, gilt es zu verbessern. Das Diskussionspapier empfiehlt, den Fortbildungsstand behandelnder und gutachtender Ärzt:innen systematisch und regelmäßig zu evaluieren.


Die Autor:innen weisen darauf hin, dass Ärzt:innen unterstützende Strukturen benötigen, um dem raschen wissenschaftlichen Fortschritt und ihrem komplexen Arbeitsumfeld gerecht werden zu können. Dazu zählen der digitale Zugang zu aktuellen, qualitätsgesicherten Informationen, insbesondere zu Leitlinien und klinischen Studien, sowie eine stärkere Einbindung von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten in die klinische Forschung.

Publikationen in der Reihe "Leopoldina-Diskussion" sind Beiträge der genannten Autor:innen. Mit den Diskussionspapieren bietet die Akademie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit, flexibel und ohne einen formellen Arbeitsgruppen-Prozess Denkanstöße zu geben oder Diskurse anzuregen und hierfür auch Empfehlungen zu formulieren.

 

Das Diskussionspapier ist auf der Website der Leopoldina veröffentlicht: www.leopoldina.org/wissenschaftskompetenz-medizin