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Schneller Termin beim Facharzt: Service kommt noch nicht bei den Versicherten an

25.06.2019 15:10
Die Hotline ist bereit – doch keiner ruft an. So könnte es ab Januar 2020 den Terminservicestellen im deutschen Gesundheitswesen gehen, die künftig bundesweit unter der einheitlichen Rufnummer 116117 erreichbar sein werden. Lediglich 13 Prozent der Deutschen haben bereits den Service genutzt, der einen schnellen Termin beim Facharzt gewährleisten soll und bislang bei den einzelnen Kassenärztlichen Vereinigungen angesiedelt war. Der Dienst wurde wenig angenommen, obwohl die Terminservicestellen bereits 71 Prozent der Bürger bekannt sind. Immerhin können sich in Zukunft 65 Prozent vorstellen, die zentrale Anlaufstelle für Patienten zu kontaktieren.

Das ist Ergebnis einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 1.000 Bürgern, die Auskunft darüber gibt, wie die Deutschen zu den aktuellen politischen Vorhaben der Bundesregierung im Gesundheitsbereich stehen.

Wenig Wissen in der Bevölkerung zu Terminservicestellen

Der Ausbau der Terminservicestellen ist Kern des neuen Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG), das im Mai 2019 in Kraft getreten ist und deutliche Verbesserungen für gesetzlich Versicherte erbringen soll. Dass die Bürger den Service bislang kaum nutzen, liegt vermutlich an mangelnder Kenntnis: So sind nur 49 Prozent darüber informiert, dass die Wartezeit auf einen Termin beim Facharzt maximal vier Wochen betragen darf. Lediglich 17 Prozent wissen, dass Patienten einen ambulanten Behandlungstermin in einem Krankenhaus wahrnehmen können, wenn der Dienst keinen Termin beim Facharzt innerhalb von vier Wochen vermitteln kann. Unter den wenigen, die bereits die Terminservicestelle genutzt haben, ist die Zufriedenheit aber hoch – 88 Prozent würden den Dienst wieder in Anspruch nehmen. „Wir müssen dringend den Service ausbauen und die Angebote bekannter machen. Wir stellen immer wieder fest, dass die Zufriedenheit mit dem deutschen Gesundheitswesen sinkt, während die Ansprüche der Versicherten steigen. Eine verbesserte Serviceorientierung und ein schnellerer Zugang zum Arzt sind gute Ansätze. Wichtig ist, dass die Terminvereinbarung auch online und per App möglich ist – das verlangen mehr als ein Drittel der Befragten, wie unsere Studie belegt“, kommentiert Michael Burkhart.

Neun von zehn Deutschen sind bereit, Daten preiszugeben

Der Digitalisierung des Gesundheitswesens stehen die Bürger aufgeschlossen gegenüber. So sind neun von zehn Deutschen dazu bereit, für die elektronische Patientenakte – ebenfalls Teil des Terminservice- und Versorgungsgesetzes – unter bestimmten Voraussetzungen ihre Daten preiszugeben. Etwa jeder Dritte kann sich sogar vorstellen, alle notwendigen medizinischen Informationen hinterlegen zu lassen. Andere schränken die Datenpreisgabe ein, etwa auf allgemeine Gesundheitsinformationen wie Medikamente, Allergien und Unverträglichkeiten (26 Prozent). Gänzlich lehnen nur neun Prozent der Befragten die elektronische Patientenakte ab. Wichtige Voraussetzung für die Datenfreigabe: Der Datenschutz muss gewährleistet sein, wie 44 Prozent bestätigen, wobei nur 26 Prozent selbst bestimmen möchten, wer welche Daten einsehen kann. „Der Datenschutz spielt für die Bürger eine wichtige Rolle. Wir beobachten aber, dass die Bürger zugunsten einer höheren Servicequalität immer stärker bereit sind, persönliche Informationen zu teilen“, so Michael Burkhart.

Zwei Drittel der Bürger würden eine Beitragserhöhung akzeptieren

Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) weitet das Bundesgesundheitsministerium auch einige Leistungen für gesetzlich Versicherte aus. Das schätzen die Studienteilnehmer. Besonders wichtig ist ihnen, dass pflegebedürftige Menschen künftig von mehr Kräften unterstützt werden können, weil auch reine Betreuungsdienste in der ambulanten Pflege zugelassen werden (etwa zur Hilfe im Haushalt und zur häuslichen Betreuung), wie 93 Prozent bestätigen. Ebenso begrüßen die Bürger, dass sich die Festzuschüsse bei Zahnersatz von 50 auf 60 Prozent erhöhen (89 Prozent). Zwei Drittel würden für bessere Leistungen eine Erhöhung ihres Krankenkassenbeitrags in Kauf nehmen, die Mehrheit will allerdings maximal 20 Euro monatlich mehr zahlen.

Welche Leistungen die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen sollen, würden die Deutschen künftig gerne stärker mitbestimmen: Statt des Gemeinsamen Bundesausschusses sollen nach Willen von 35 Prozent der Befragten künftig Patientenvertreter darüber entscheiden, die in dem Gremium derzeit nur Antrags- und Mitberatungsrecht, aber kein Stimmrecht haben.

Das Thema Organspende spaltet die Bevölkerung

Auch die Neuregelung der Organspende ist ein wichtiges politisches Vorhaben des Bundesgesundheitsministeriums. 39 Prozent der Bürger würden am liebsten bei der aktuellen Regelung mit einem freiwilligen Organspendeausweis bleiben, den aktuell allerdings nur 36 Prozent besitzen. Hingegen können sich 35 Prozent die Widerspruchslösung vorstellen, die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in die Debatte eingebracht hat und bei der jeder Mensch zum Spender werden kann, der nicht zu Lebzeiten widersprochen hat. „Wir brauchen dringend eine Neuregelung, die für viele Menschen zustimmungsfähig ist“, bilanziert Michael Burkhart.

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