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TK-Stressstudie: Corona belastet jeden Zweiten

01.12.2021 12:01
Deutschland steht unter Stress: Knapp zwei von drei Menschen in Deutschland (64 Prozent) fühlen sich mindestens manchmal gestresst. Mehr als ein Viertel sogar häufig (26 Prozent). Das zeigt die Stressstudie "Entspann dich, Deutschland!" der Techniker Krankenkasse (TK), die auf einer Pressekonferenz vorgestellt wurde. Basis für die Studie ist eine bevölkerungsrepräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der TK, für die bundesweit 1.000 Menschen ab 18 Jahren befragt wurden.

"Es zeigt sich, dass der subjektiv empfundene Stress bei den Menschen in den vergangenen Jahren noch einmal signifikant zugenommen hat", erklärt Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. "Im Vergleich zu unserer ersten Studie von 2013 verzeichnen wir bei den häufig Gestressten einen Anstieg um 30 Prozent."

Corona-Effekte

Die Coronapandemie hat starke Auswirkungen auf das Stressempfinden der Menschen in Deutschland. Auf die Frage, ob ihr Leben seit Beginn der Pandemie stressiger geworden ist, antwortet rund die Hälfte der Befragten mit Ja (47 Prozent). Familien mit Kindern im Haushalt fühlen sich stärker gestresst (60 Prozent) als Haushalte ohne Kinder (43 Prozent). Besonders gestresst sind Erwerbstätige im Homeoffice mit mindestens einem Kind (64 Prozent) im Vergleich zu Beschäftigten im Homeoffice ohne Kind (42 Prozent). Prof. Dr. Bertolt Meyer von der TU Chemnitz hat die Daten für die TK ausgewertet: "Die Befragung fand im März 2021 statt, mitten im zweiten Lockdown mit all seinen Herausforderungen, das hatte natürlich auch Einfluss auf die Antworten."

Stressfaktor Nummer eins: die Arbeit

Stressfaktor Nummer eins ist - wie auch schon vor der Pandemie - der Bereich Beruf, Schule, und Studium. Das gaben 47 Prozent der Befragten als Stressgrund an. Es folgen hohe Ansprüche an sich selbst (46 Prozent), eine schwere Krankheit von jemandem, der einem nahe steht (31 Prozent), Konflikte mit nahestehenden Menschen (26 Prozent), ständige Erreichbarkeit durch Handy und soziale Medien (25 Prozent) sowie zu viel Freizeitstress (24 Prozent). Professor Meyer: "Bei den Stressgründen erkennen wir einen deutlichen Einfluss der Coronapandemie. Die Sorge um nahestehende erkrankte Angehörige spielte bei den vorherigen Befragungen eher eine untergeordnete Rolle. Jetzt ist sie auf Platz drei der häufigsten Stressgründe." Auffällig sei auch, dass der Belastungsfaktor "Teilnahme am Straßenverkehr" in der aktuellen Befragung vom vierten auf den siebten Platz gerutscht ist. "Durch Homeoffice mussten nicht mehr so viele Beschäftigte regelmäßig pendeln", so Meyer. "Dafür haben die Konflikte in der Partnerschaft zugenommen."

Stress geht auf Körper und Psyche

Vor allem lange Stressphasen fordern ihren Tribut. "Neben körperlichen Beschwerden wie zum Beispiel Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Magenbeschwerden kann Dauerstress auch auf die Psyche gehen", erklärt TK-Chef Baas. "Die Bandbreite reicht bis hin zu Erschöpfung und Depressionen." Laut Studie leidet von den häufig Gestressten ein Großteil unter Erschöpfung (80 Prozent), Schlafstörungen (52 Prozent), Kopfschmerzen und Migräne (40 Prozent) oder Niedergeschlagenheit bzw. Depressionen (34 Prozent). Zum Vergleich: Bei den selten Gestressten sind es in fast allen Kategorien weniger (Erschöpfung 13 Prozent; Schlafstörungen 28 Prozent, Kopfschmerzen und Migräne 13 Prozent, Niedergeschlagenheit/Depressionen 7 Prozent). Stress hat zudem nicht nur Auswirkungen auf die individuelle Gesundheit, sondern führt auf Dauer auch zu einem hohen Krankenstand in den Unternehmen. Seit Jahren steigen die psychisch bedingten Fehlzeiten, zu denen auch Erschöpfung gehört, der TK-versicherten Erwerbstätigen. 2020 machten sie mit 20 Prozent erneut den höchsten Anteil am Krankenstand aus.

Auch die Arbeitgeber sind gefragt

Doch nicht immer reichen Hobby und Freizeit aus, die Batterien wieder aufzuladen. Diplom-Psychologin Suzanne Jones, die seit zehn Jahren Unternehmen und Hochschulen in Sachen Stressmanagement berät, erklärt: "Negativer Stress wird sich nie ganz vermeiden lassen. Aber man kann lernen, konstruktiver damit umzugehen. Neben der Selbstverantwortung, die wir alle haben, sind auch die Arbeitgeber gefragt, für gesunde Strukturen in ihren Unternehmen zu sorgen, damit ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Dauer gesund bleiben." Die Studie zeigt: Am Arbeitsplatz - dem Stressor Nummer ein - sind es vor allen Dingen die Arbeitsbedingungen, die krank machen. Zu den Hauptbelastungsfaktoren der Beschäftigten gehören: zu viel Arbeit (32 Prozent), Termindruck (32 Prozent), Unterbrechungen (28 Prozent), Informationsflut (23 Prozent) und schlechte Arbeitsbedingungen (19 Prozent).

 

Für die Stressstudie wurden in den Jahren 2013, 2016 und zuletzt im März 2021 bundesweit jeweils 1.000 Menschen bevölkerungsrepräsentativ vom Meinungsforschungsinstitut Forsa telefonisch zum Thema Stress befragt.