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Editorial

„Forschung ist die Basis für die Wertschöpfung von morgen“

Davon zeigt sich Oliver Stenzel, Head Public Affairs Novartis Pharma und Direktor Netzwerk Forschung und Innovation, im Titelinterview überzeugt. Um den Forschungsstandort Deutschland wieder attraktiver zu machen, wurden vom Pharmaunternehmen Novartis sogenannte Werkstattgespräche ins Leben gerufen, um zusammen mit Vertreter:innen aus Industrie, Verbänden, Forschung und Politik zu diskutieren, wie dieses Ziel erreicht werden könne. Ein Ergebnis dieser Gespräche ist nun ein seit kurzem veröffentlichtes Positionspapier. Die Förderung von Forschung sowie des Forschungsstandortes Deutschland sei in vielerlei Hinsicht von enormer Bedeutung. „Denn gerade ein Land wie Deutschland mit einer stark alternden Bevölkerung ist aus wirtschaftlichen wie auch aus Gründen der Versorgungssicherheit auf eine starke Forschungstätigkeit angewiesen“, führte Stenzel im Gespräch weiter aus. „Forschung ist Garant für eine hochwertige Gesundheitsversorgung.“ Mit dem Thema attraktiver Forschungsstandort sind natürlich auch unmittelbar die Bereiche Digitalisierung und Nutzung von Daten verbunden. Für Oliver Stenzel ist eine zukunfts-orientierte Datennutzung und -analyse mit einer Verbesserung der Patient:innenversorgung verbunden:  
„Datenbasierte Anwendungen können u. a. durch den Einsatz von Methoden der künstlichen Intelligenz (KI) wesentlich dazu beitragen, Diagnostik und Therapien zu verbessern.“

Doch was das Thema Digitalisierung in Deutschland – insbesondere auch in Hinblick auf das Gesundheitswesen betrifft – offenbart das aktuelle Jahresgutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) einen „erheblichen Rückstand und massive Defizite“. Hinter den Begriffen „Rückstand“ und „Defizite“ verbergen sich ganz klar verschenkte Möglichkeiten, die nicht einfach nur beklagenswert, sondern im Prinzip einfach nur schädlich sind – in vielerlei Hinsicht und für alle Stakeholder. Aber mit Blick auf die Patient:innen wird mit dieser ignoranten Haltung gegenüber den digitalen Möglichkeiten auch eine verbesserte Versorgung verhindert. Prof. Dr. Irene Bertschek, Forschungsbereichsleiterin am ZEW in Mannheim und Mitglied der Expertenkommission, sagte zum Gutachten: „Unsere Analyse zeigt, dass digitale Technologien die Qualität der Gesundheitsversorgung verbessern können. Zudem eröffnet die zunehmende Verfügbarkeit von Gesundheitsdaten in Verbindung mit modernen digitalen Analyseverfahren neue und weitreichende Möglichkeiten für eine stärker personalisierte Diagnostik und Therapie.“ Als ein Hemmnis beim Vorantreiben der Digitalisierung benennt die Expertenkommission die Struktur des Gesundheitswesens in Deutschland. „Die Vielzahl von Akteuren mit verteilten Verantwortlichkeiten behindert die Digitalisierung im Gesundheitswesen ungemein“, so Prof. Dr. Uwe Cantner von der Universität Jena und Vorsitzender der Expertenkommission.

Wenn Deutschland weiterhin Potenziale und Möglichkeiten in Bezug auf die Digitalisierung und Datennutzung verschenkt oder ignoriert oder aufgrund von Unstimmigkeiten zwischen verschiedenen Stakeholdern blockiert, dann wird es weder als Forschungsstandort in Zukunft attraktiv sein noch eine angemessene Gesundheitsversorgung in Zukunft bieten können. Auch in diesem Bereich muss der vom ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog geforderte „Ruck durch Deutschland“ gehen. Möglichkeiten sinnlos zu verschenken, können wir uns defintiv weder heute noch in Zukunft länger leisten.

Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen


Jutta Mutschler
Leitende Redakteurin „Market Access & Health Policy“ (mutschler@healthpolicy-online.de)