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Editorial

03.09.2018 11:55
Künstliche Intelligenz – Lernen aus der Historie

Aus der Geschichte zu lernen, ist ein immer wieder heiß diskutiertes Thema. Können wir daraus lernen? Wenn ja was und wie lassen sich Ereignisse und darauf beruhende Entscheidungen in die Jetztzeit und die Gegebenheiten der Gegenwart übertragen? Rückblickend auf den eigenen schulischen Geschichtsunterricht bleiben geschichtliche Ereignisse oftmals nur bruchstückhaft in Erinnerung. Um ein Beispiel zu nenne: Wer weiß schon noch, welche genealogischen Verzweigungen die Habsburger-Dynastie mit ihrer transeuropäischen und innerfamiliären Heiratspolitik hervorgebracht hat? Doch sicherlich werden die meisten sich an ein bestimmtes Merkmal erinnern, für das diese Familie prägend steht – die sogenannte „Habsburger-Lippe“, also eine erblich-bedingte Überentwicklung des Unterkiefers. Sie fragen sich zurecht: Was haben deformierte Unterkiefer nun mit Künstlicher Intelligenz zu tun? Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir aus Geschichte lernen können. Aber der Reihe nach.

Mit Dr. Tobias Gantner, Gründer und Geschäftsführer der HealthCare Futurists GmbH, sprachen wir über die Potenziale der Künstlichen Intelligenz in den Bereichen Market Access und Erstattung. Gantner beschäftigt sich bereits seit zehn Jahren mit dem Thema, KI auch für Prozesse beim Marktzugang zu nutzen.  Auf die Herausforderungen angesprochen, erklärt er, „dass Daten zur Erstellung und Bewertung von Dossiers leicht zugänglich auf dem G-BA Server liegen und mit etwas technischem Wissen analysiert werden können. Daten, die wir nicht kennen, sind die zur Erstattung.“ Da systemisch die Erstattungspreise mit dem Spitzenverband verhandelt würden und die Verhandlungsstrategien nicht öffentlich seien, „liegen hier im Gegensatz zur G-BA Bewertung, keine öffentlichen Ergebnisse vor, mit denen ein KI-Modell trainiert werden könnte, aber auch hierfür haben wir eine Lösung gefunden, die wir gerade implementieren“. Doch bei aller Euphorie was in Zukunft möglich sein könnte, ist Tobias Gantner auch überzeugt davon, dass KI die Beweise noch erbringen müsse, dass sie nachhaltig Nutzen bringe. Darüber hinaus sei auch noch nicht klar, „wie sich das als ‚Habsburg A‘ bezeichnete Phänomen auswirken wird, wenn immer wieder dieselben Daten rekursiv verwendet werden – wird dann dasselbe passieren wie bei der Heirat enger Verwandter? Gelten hier ähnliche biologische Prinzipien, was die Fitness der KI angeht?“ Also doch: Bestimmte historische Phänomene können wir in die Gegenwart übertragen und doch aus der Historie lernen.

Das AMNOG können wir zwar noch nicht als richtig historisches Ereignis deklarieren, aber inzwischen ist es seit mehr als einer Dekade in Kraft. Für Christian Hilmer, Geschäftsleitung Value & Access bei Janssen Deutschland, ist es deshalb an der Zeit, die frühe Nutzenbewertung weiterzuentwickeln. Im Interview mahnt Hilmer an, das AMNOG methodisch an den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse anzupassen und in die Lage zu versetzen, mit Unsicherheiten umzugehen, etwa durch adäquate Berücksichtigung von Real-World-Evidence- und Registerdaten. Neben den Optimierungspotenzialen beim AMNOG sprachen wir auch über den Value Based Healthcare-Ansatz, den das forschende Pharmaunternehmen vorantreibt und im deutschen Gesundheitssystem verankern möchte. „Wir bei Janssen wollen, dass jeder Mensch sich darauf verlassen kann, bei Bedarf die individuell bestmögliche Therapie zum individuell bestmöglichen Zeitpunkt zu erhalten, um sein individuelles Therapieziel zu erreichen. Value Based Healthcare ist unserer Überzeugung nach der Schlüssel zu einer solch patienten- und ergebnisorientierten Versorgung.“ Klar ist aber auch, dass das nur gemeinsam mit anderen Akteuren des Gesundheitswesens umgesetzt werden kann.
Und vielleicht wird Ende dieses Jahrhunderts die gelungene Transformation des Gesundheitswesens ein besonderes historisches Ereignis, aus dem die kommenden Generationen lernen können.

Ich wünsche Ihnen eine informative Lektüre mit den vielen weiteren spannenden Themen in unserer aktuellen Ausgabe.

Jutta Mutschler
Chefredakteurin Market Access & Health Policy

Mediadaten

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