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Editorial

03.09.2018 11:55
An ihren Taten sollt ihr sie erkennen*

>> Mit dem Thema Vertrauen ist es so eine Sache – der Begriff wird von vielen Menschen in unterschiedlichsten Situationen sehr oft verwendet. Vertrauen wird versprochen, eingefordert, missbraucht, erwartet.Doch mit ein wenig Lebenserfahrung auf dem Buckel weiß jeder Mensch: Vertrauen kann ich natürlich jederzeit und überall versprechen, aber das einzig Entscheidende in dem Zusammenhang ist, dass ich den Begriff mit Leben fülle und im menschlichen Miteinander als Person agiere, der man vertrauen kann. Dass die Thematik wohl ein zutiefst menschliches Bedürfnis berührt, zeigt sich vielleicht auch darin, dass der Evangelist Johannes in einer seiner Schriften sagt: „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!“ Reißen wir dieses Zitat einfach mal aus dem damaligen Zusammenhang heraus und übertragen es auf die Jetztzeit: Gerade im Politikumfeld wird viel von Vertrauen gesprochen und um Vertrauen geworben. Auf dem diesjährigen Hauptstadtkongress betonte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in seiner Eröffnungsrede, wie wichtig es sei, „Vertrauen in die Fähigkeit von Staat und Gesellschaft zurückzugewinnen und zu erhalten“. Die Gesundheitspolitik sei dafür ein „exemplarisches Politikfeld“. Dieses Versprechen ist aller Ehren wert, nur passt es irgendwie nicht so ganz zu dem Bericht, der in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 24.8.19 zu lesen war. Zwischen Ärzten, Apotheken, AOKen und Patientenverbänden war es Anfang 2019 Konsens, dass die Importförderklausel gestrichen werden sollte. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sah keinen weiteren Bedarf für eine gesetzliche Re-Importquote von Arzneimitteln – wie ihn der Gesetzentwurf zum GSAV von Anfang Januar noch zeigt. Das Gesetz ist inzwischen verabschiedet und die Re-Importquote ist in leicht veränderter Form weiterhin Bestandteil. Laut SZ-Bericht zeigen E-Mails aus dem Wirtschafts-ministerium, die dem Recherchenetzwerk WDR, NDR und SZ vorliegen, dass sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) Mitte Januar persönlich bei seinem Kabinettskollegen Jens Spahn (CDU) für die Re-Import-Branche einsetzte. Nach dieser Intervention von Seiten des Bundeswirtschaftsministers war die Abschaffung der Importquote nach kurzer Zeit vom Tisch. Dass diese Entscheidung ein „Gschmäckle“ hat, mag vielleicht auch daran liegen, dass einer der größten Re-Importeure, nämlich Kohlpharma, seinen Firmensitz in Peter Altmaiers saarländischem Wahlkreis hat. Der Wahlspruch des englischen Hosenbandordens „Honi soit qui mal y pense“ – auf deutsch „Ein Schelm, der Böses dabei denkt“ – greift hier nicht. Man braucht keineswegs ein Schelm zu sein, um das Ganze anrüchig und merkwürdig zu finden. Und um auf das Thema Vertrauen zurückzukommen: Solche Handlungen tragen sicherlich nicht unbedingt dazu bei, dass das Vertrauen in die Politik wächst.

Apropos Vertrauen und Politik:
Im September und Oktober stehen Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen an. Die Umfrageergebnisse aus dem aktuellen Gesundheitsmonitor des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller geben nach Einschätzung von Dr. Hubert Cranz, Hauptgeschäftsführer des BAH, „Grund zur Sorge“. Warum? Die Menschen im Osten Deutschlands beurteilen ihre Gesundheitsversorgung vor Ort schlechter als die Einwohner der meisten westlichen Bundesländer. Die Zahlen sollten die Verantwortlichen und alle Beteiligten des Systems aufhorchen lassen. Und im besten Falle die richtigen Schlüsse und Konsequenzen daraus ziehen lassen. Denn zwischen all den Prozentzahlen lässt sich ein undefinierbares Gefühl des „Abgehängtseins“ des Ostens herauslesen. Das Gefühl des „Nicht-Gleichwertig-Dazugehörens“ hier nur exemplarisch im Gesundheitsbereich aufgezeigt – und das wohlgemerkt 30 Jahre nach dem Mauerfall – sollte ein klares Alarmsignal und ein deutlicher Weckruf zum Handeln sein. Denn Vertrauen ist eben in erster Linie ein Gefühl. Und das lässt sich nicht mit Worten, sondern nur entsprechenden Taten erreichen – aber das wusste ja bereits der Evangelist Johannes. <<


Ihre
Jutta Mutschler
Leitende Redakteurin „Market Access & Health Policy“

 

*Zitat aus dem Johannesevangelium: Johannes 2, 1-6

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