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Editorial

Dass sich im Gesundheitswesen die verschiedenen Akteure manchmal nach wie vor kritisch und mitunter gar misstrauisch gegenüberstehen, als ginge es darum, wie im 30-Jährigen Krieg seinen einzig wahren Glauben (und die damit verbundenen Interessen, die weit über Glaubensfragen hinausgingen) zu verteidigen, ist leider noch immer Fakt. Auf den heutigen Schlachtfeldern – um im martialischen Sprachmodus zu bleiben – wird allerdings fast ausschließlich mit Worten gekämpft. Etwas widersinnig erscheinen einem diese Glaubensauseinandersetzungen durchaus – gerade in einem Bereich, in dem es um Evidenzen und wissenschaftliche Nachweise geht. Glaube ist hier komplett fehl am Platz. Gerade in einem immer komplexer werdenden System geht es darum, gemeinsam für ein Ziel zu kämpfen: Bessere Versorgung von Patienten und die „Gesunderhaltung“ des Gesundheitssystems. Mit gegenseitiger gedanklicher Blockadehaltung bleibt dieses Ziel eine Vision. Auch Professor Dr. Bertram Häussler spricht im Interview davon, dass jeder von der Lektüre des aktuellen Arzneimittel-Atlas lernen könne, wenn er sich vorurteilsfrei mit dem Arzneimittelmarkt befassen wolle. Und weiter: Wenn man nüchtern anerkennen würde, dass der Arzneimittelmarkt besonderen Marktgesetzen unterliege, „könnten wir uns viele Glaubenskriege ersparen“.

In einer seiner Kolumnen auf „Spiegel Online“ stellte Sascha Lobo – seines Zeichens Internetexperte und Digitalisierungsvordenker – der Bundesregierung ein miserables Zeugnis im Bereich der digitalen Entwicklung aus. Seine Kritik richtete er insbesondere an die Person Angela Merkels – ihres Zeichens Bundeskanzlerin und bis dato nicht als Digitalvordenkerin aufgefallen. Sie hinterlasse eine „digitale Trümmerlandschaft“, so Lobo. Dass die Digitalisierung auch im Gesundheitswesen ein zentrales Dauerthema ist, zeigte sich unter anderem auf der Veranstaltung „Pharma Trends 2019“.
Dr. Andreas Meusch von der Techniker Krankenkasse zeichnete ein ernüchterndes Bild, was die Digitalisierung – insbesondere im Gesundheitswesen in Deutschland – betrifft. Mit die wichtigsten Treiber für die digitale Entwicklung sind nach Einschätzung Meuschs die Versicherten beziehungsweise Patienten. Und warum? Die Frage sei ganz einfach zu beantworten, denn „eine der größten Weltmächte, die wir haben und die häufig unterschätzt wird, ist die Convenience“. Doch bei aller beschriebenen Digital-Düsternis in Deutschland endete er mit einem optimistischen Blick in die Zukunft. Zum einen erwarte er ähnliche Effekte wie bei der Elektrifizierung. So konnte man sich damals beim Aufbau der elektrischen Infrastruktur nicht vorstellen, welche Produktmöglichkeiten damit einhergehen könnten. Mit einer ordentlichen Infrastruktur werde man in einigen Jahren in völlig neue Dimensionen gelangen. Zum anderen vertraut Meusch auf die „riesigen Chancen, die wir als Wissensgesellschaft in Deutschland haben“.  

Die Frage darf, nein muss gestellt werden, wie lange wir in Deutschland noch Zeit verschenken wollen, bevor das Thema nicht nur in Koalitionsverträgen vermerkt, sondern auch ernsthaft angegangen und umgesetzt wird. Digitalisierung ist schon längst keine Glaubensfrage mehr, sondern gelebte Realität. Es bedarf also auch hier keiner „Glaubenskriege“, sondern Taten.


Ich wünsche Ihnen eine informative und spannende Lektüre!

Jutta Mutschler
Leitende Redakteurin "Market Access & Health Policy"

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