Sie sind hier: Startseite Editorial
x
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Editorial

Scheitern möglich – aber unerwünscht

Wenn langfristig geplante Projekte, mit verschiedenen Partnern konzipierte Pläne oder – als ganz aktuelles Beispiel – Koalitionsverhandlungen gestartet werden, ist das Scheitern dieser Pläne und Verhandlungen trotz bester Absichten der einzelnen Partner durchaus eine Option, wenn auch eine eher unerwünschte. Vor dem Scheitern der Krankenhausplanung in Nordrhein-Westfalen warnte der Gesundheitsminister des Bundeslandes, Karl-Josef Laumann, in seiner Eröffnungsrede beim Gesundheitskongress des Westens im September in Köln. Die Warnung vor einem Scheitern dieser einmaligen Chance malte er in ziemlich düsteren Farben: „Wenn sie scheitert, was ich nicht ausschließe, dann ist die Zeit der Landeskrankenhausplanung vorbei. Dann wird der G-BA das an sich ziehen.“ Dass der Gemeinsame Bundesausschuss im gesundheitspolitischen Weltbild von Karl-Josef Laumann der absolut falsche Verantwortliche in Sachen Krankenhausplanung wäre, argumentierte der NRW-Gesundheitsminister mit der fehlenden demokratischen Legimitierung: „Ich bin leidenschaftlich davon überzeugt, dass die Krankenhausplanung am Ende von einer Regierung gemacht werden muss, die demokratisch legitimiert ist und nicht von einem G-BA, der von niemandem demokratisch legitimiert ist.“ Dieses Argument ist ein sicherlich äußerst scharfes, aber eben auch ein zweischneidiges Schwert. Denn die demokratische Legitimierung beinhaltet nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Den Bundesländern obliegt laut Grundgesetz die Befugnis zur Krankenhausplanung. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die allermeisten Bundesländer ihren Verpflichtungen hinsichtlich der Krankenhausstrukturplanungen nicht oder nur ungenügend nachkommen.

In Nordrhein-Westfalen wurde nun eine ambitionierte Krankenhausplanung in Angriff genommen – ich möchte an dieser Stelle nicht von einem Leuchtturmprojekt sprechen, denn alle möglichen Projekte werden im Gesundheitswesen geradewegs inflationär mit der Zusatzbezeichnung „Leuchtturm“ versehen. Aber vielleicht geht von dieser Planung eine Signalwirkung an die anderen Bundesländer aus. Denn eines muss allen Beteiligten klar sein: Ein „Immer-Weiter-So“ ist kein zukunftsfähiges Konzept, das Antworten auf die drängendsten Fragen gibt. Der vielzitierte und oft bemühte demografische Wandel in Deutschland macht auch vor den Krankenhäusern nicht halt – es geht um Fragen der Finanzierung, aber auch um die Ressource Personal. Oder wie Professor Josef Hecken, der Unparteiische Vorsitzende des G-BA, in einer anderen Session des Gesundheitskongress des Westens ein „Worst-Case-Szenario“ skizzierte: „Wir haben zwar das Geld, aber niemanden mehr, der das Geld in Gestalt einer Leistung an den Patienten bringen kann.“ Mit Blick auf die Wichtigkeit des Themas wäre vielleicht an dieser Stelle auch weniger Schwarz-Weiß-Schreckenszenario-Malerei angeraten: Der G-BA in Berlin versus die Gesundheitsministerien in den einzelnen Bundesländern. Vielleicht könnte auch hier mit Blick auf das große Ganze mehr Kooperation zum Ziel führen – zum Nutzen und zum Wohl der (Wahl)Bevölkerung. Oder mit den Worten von Josef Hecken gesprochen: „... vielleicht gibt es aber auch einen Mittelweg, der helfen kann, dass wir hier bundesweit Vorgaben machen, die dann von den Ländern ausgefüllt werden können.“  

Ein weiteres spannendes Thema, das derzeit diskutiert wird, ist der Umgang mit Medizinalcannabis, das wir in der aktuellen Ausgabe aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachten: Von der Verordner- und der Herstellerseite. Bei der Pressekonferenz der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. bemängelte Professor Dr. med. Frank Petzke, Leiter Schmerzmedizin an der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen, dass es in hochwertigen Studien nach wie vor keinen sicheren Wirkungsnachweis gebe und auch die Risiken einer längerfristigen Behandlung kaum untersucht seien.
Warum sich das Thema Studien im Zusammenhang mit medizinischem Cannabis als schwierig und herausfordernd gestaltet, macht Richard Balla, Geschäftsführer Deutschland von imc, einem Hersteller von Medizinalcannbis, in einem ausführlichen Interview deutlich. In dem Zusammenhang möchte ich Sie auch auf den interessanten Beitrag zu den Herausforderungen bei der Kommunikation rund um Medizinalcannabis in unserem Schwestermagazin „Pharma Relations“ 11/2021 aufmerksam machen.

Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen


Jutta Mutschler
Leitende Redakteurin „Market Access & Health Policy“ (mutschler@healthpolicy-online.de)