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Editorial

2023 – das Jahr der Reformen

Es ist zwar noch recht jung, dieses Jahr 2023, aber dennoch ist es schon vollgepackt mit unzähligen Erwartungen. Fokussieren wir unseren Blick auf das Gesundheitswesen: Nach dem „Zeitenwende“-Jahr 2022, in dem aufgrund des Krieges in der Ukraine, der Energie-Krise, Corona und Inflation, um nur einige Herausforderungen zu nennen, viele Aufgaben im Gesundheitssystem nicht in Angriff genommen werden konnten, steht das neue Jahr ganz im Zeichen der Reformen. Das sind zumindest die Erwartungen vieler Akteure im Markt.Im Interview mit Susanne Pollak und Roland Nagel, Geschäftsführer der Gesundheitsforen und seit Anfang des Jahres auch Herausgeber von „Market Access & Health Policy“, wird deutlich, welche Herausforderungen vor der Gesundheitspolitik liegen. Allerdings sind die Aufgaben nicht auf das Jahr 2023 begrenzt. Ganz im Gegenteil: Die beiden Herausgeber nennen beispielsweise die Reform zur finanziellen Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung als zentrale Aufgabe, ebenso das Thema Pflege. Hier mahnen beide an, dass die immer wieder eingesetzten „Feuerlösch“-Methoden durch nachhaltige und langfristige Lösungen ersetzt werden sollten. Auch eine gesellschaftliche Debatte – gerade, wenn es um die Zukunft der Pflege in unserem Land geht, ist nach Einschätzung der beiden zwingend erforderlich. Dennoch betont Susanne Pollak: „In Summe bin ich aber auch überzeugt davon, dass unser Gesundheitssystem bei allen Kritikpunkten sehr gut ist. Es gibt an einigen Stellen enormen Nachholbedarf, aber das System hat sich in den vergangenen Jahren als resilient erwiesen. Ich habe das Gefühl, dass die Akteure im Markt durchaus erkennen, dass nachhaltige Reformen angegangen werden müssen.“ Und Roland Nagel ergänzt: „Wir sollten die Baustellen des Gesundheitswesens nicht einfach nur schwarzmalend kritisieren, sondern vielmehr in den Fokus rücken, wie wir die Herausforderungen und Probleme konstruktiv lösen. Und welchen Beitrag die einzelnen Marktteilnehmer leisten können.“

Auch der Vorsitzende des Bundesverbandes der pharmazeutischen Industrie (BPI) e.V., Dr. Kai Joachimsen, spricht von notwendigen Strukturreformen im Gesundheitssystem. Welche Reformen seiner Einschätzung nach relevant sind, um das Gesundheitssystem zukunftsfähig auszustellen, erläutert er im Interview auf den Seiten 10 bis 14.Wie unterschiedlich man das Thema der Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) beurteilen und – je nach Standpunkt – einschätzen kann, zeigt  zum einen die Befragung des AOK Bundesverbandes von Anwender:innen von DiGA. Fazit: „Gesundheitsanwendungen werden als durchaus positiv eingeschätzt, aber trotzdem hält die Hälfte der Nutzer:innen sie für verzichtbar.“ Der GKV-Spitzenverband kommt in seiner Auswertung zum Nutzenverhalten der Anwender:innen zum Ergebnis: „Mit viel Vorschusslorbeeren sind DiGA in die Versorgung gestartet. Aber den Erwartungen sind sie bisher nicht gerecht geworden“, so Stefanie Stoff-Ahnis, Vorstand beim GKV-Spitzenverband.

Dr. Philip Heimann, Gründer und Geschäftsführer der DiGA ViViRA, sieht vielmehr das Potenzial dieser neuen digitalen Versorgungsformen und hält nichts von der Anti-DiGA-Stimmungsmache des GKV-Spitzenverbandes. Warum die DiGA zu einer besseren Patientenversorgung beitragen können, lesen Sie im Interview auf den Seiten 18 und 19.

Ich wünsche Ihnen eine spannende und informative Lektüre bei unserer neuen Ausgabe 2023. Wenn Sie Feedback geben möchten und/oder interessante Themenvorschläge haben, schreiben  Sie gerne an:
redaktion@healthpolicy-online.de
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Jutta Mutschler
Chefredakteurin „Market Access & Health Policy“