Sie sind hier: Startseite Editorial
x
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Editorial

Gemeinsam – für die europäische Idee!

Am 1. Juli startet turnusgemäß die sechsmonatige EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands unter dem Motto „Gemeinsam. Europa wieder stark machen.“ Das Motto sagt leider ziemlich viel über den derzeitigen Zustand der EU aus. Der Brexit ist nur ein Zeichen dafür, dass einige Zentrifugalkräfte des Auseinanderdriftens am Werke sind. Warum nur bleibt diese großartige Idee eines Vereinten Europa inzwischen zunehmend „auf der Strecke“? Es gibt natürlich zahlreiche Gründe und als bekennende, nein begeisterte Europäerin – was zum Teil auch meiner Herkunft aus dem tiefsten Südwesten Deutschlands direkt angrenzend an Frankreich geschuldet ist – hoffe und wünsche ich, dass die europäische Idee nicht nur als Mantra immer wieder beschworen, sondern auch verstärkt (wieder-)belebt wird.

Die Agenda der Bundesregierung für die sechs Monate ist gut gefüllt und größtenteils auf die Bewältigung der Corona-Pandemie-Folgen ausgerichtet. Doch werfen wir explizit einen Blick auf die gesundheitspolitischen Schwerpunkte. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat drei Ziele formuliert. Punkt 1: „Europa muss Wege finden, die Produktion von kritischen Arzneimitteln und Medizinprodukten wie zum Beispiel Schutzmasken wieder nach Europa zu verlagern, und eine europäische Reserve anlegen.“ Punkt 2: „Europa muss für die Forschung attraktiver werden. Wichtig dafür sind Daten. Spahn will daher den Aufbau eines europäischen Gesundheitsdatenraums vorantreiben.“ Und last but not least Punkt 3: „Europäische Gesundheitsorganisationen wie das ECDC und die EMA müssen gestärkt werden, damit sie auf Augenhöhe mit den amerikanischen Organisationen arbeiten können.“

Spannende Themen stehen auf der gesundheitspolitischen Agenda und wir werden in den kommenden Ausgaben von „Market Access & Health Policy“ die Entwicklung bei den Maßnahmen gegen Lieferengpässe bei Arzneimitteln, wie auch bei dem Aufbau eines europäischen Gesundheitsdatenraums und bei der Stärkung europäischer Gesundheitsorganisationen verfolgen und darüber berichten.

Zum Start der deutschen EU-Ratspräsidentschaft haben sich auch Vertreter verschiedener Verbände im Gesundheitssystem mit ihren gesundheitspolitischen Ideen, Wünschen und Forderungen zu Wort gemeldet und ihre Unterstützung bei der Umsetzung deutlich gemacht. So erklärt Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, dass Deutschland die kommenden sechs Monate nutzen müsse, um mit der Europäischen Union Strategien zur Bewältigung der Pandemie und zur Stärkung der Krisen-Reaktionsfähigkeit auf den Weg zu bringen. Auch der Idee eines europäischen Gesundheitsdatenraums steht er offen gegenüber, wenn er fordert: „Wir brauchen europaweit abgestimmte Meldestrukturen bei der Nachverfolgung von Infektionsketten.“ Außerdem sollten laut Reinhardt die jeweiligen Corona-Warn-Apps mit denen der anderen Mitgliedstaaten kompatibel gemacht werden. Für den Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Phar­mazeutischen Industrie, Dr. Kai Joachimsen, stehen die Stärkung des Pharmastandortes Europa ebenso wie die Bekämpfung von Lieferengpässen im Fokus. Das Thema Lieferengpässe benennt auch Mathias Arnold, Vizepräsident der ABDA und Leiter der Europadelegation der ABDA, als zentrales Thema. „Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind ein europaweites Problem, das wir auch auf europäischer Ebene angehen müssen.“ Allein an der Auswahl und auch Gewichtung dieser genannten gesundheitspolitischen Themen zeigt sich doch, wie wichtig die europäische Gemeinschaft für uns alle ist. Vielleicht muss den EU-Bürgern immer wieder gezeigt (nicht nur kommuniziert) werden, dass hinter der manchmal etwas abstrakten europäischen Idee eine starke Gemeinschaft steht – oder derzeit muss man das ehrlicherweise etwas einschränken – stehen könnte. Ließen sich diese Stärke und Vorteile einer Gemeinschaft nicht gerade am Thema Gesundheit veranschaulichen?

In den kommenden sechs Monaten wird sich zeigen, wie viel von dem gesetzten Motto gemeinsam umgesetzt wird und wie zu neuer Stärke gefunden werden kann.

Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen

Jutta Mutschler
Leitende Redakteurin „Market Access & Health Policy“ (mutschler@healthpolicy-online.de)

Artikelaktionen