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Editorial

Weniger German Angst – mehr Mut

Zu Beginn eines neuen Jahres – und noch interessanter ist es zum Start eines neuen Jahrzehnts – wirft man gerne einen Blick in die Zukunft. Auch im Gesundheitswesen werden Zukunftsprognosen entwickelt und stehen Pläne für Neuerungen und Veränderungen auf den zahlreichen Agenden der unterschiedlichen Player. Dabei kann man zwischen zwei Motivationspolen für Veränderungen unterscheiden: Zum einen sind das Veränderungen, die – etwas salopp formuliert – auf äußerem Zwang basieren und zum anderen gibt es Veränderungen, weil man einfach Lust hat auf Neues und Innovation. Richtig Spaß macht es dann, wenn all diese Neuerungen mit einem besonderen Mehrwert für den Nutzer verbunden sind. Begeben wir uns nun von dieser eher theoretischen Ebene auf konkreteres Terrain im Bereich des Gesundheitswesens: Eine von Deloitte durchgeführte Studie zeigt, dass sich die Deutschen sehr technikaffin und prinzipiell offen für entsprechende digitale Versorgungsangebote zeigen, so Ibo Teuber, Director Life Sciences & Health Care bei Deloitte. Auch seien 36 Prozent der Befragten bereit, unter bestimmten Voraussetzungen Daten mit ihrem Arzt zu teilen: Bedingungen wären zum Beispiel „Transparenz über die Verwendung der Informationen, kein Missbrauch zu kommerziellen Zwecken, sicherer Schutz vor Datendiebstahl, keine Weiterleitung an Dritte wie beispielsweise Arbeitgeber“. Die Bereitschaft der Patienten zur verstärkten Nutzung von digitalen Lösungen ist vorhanden – jetzt gilt es das Potenzial, das damit verbunden ist konsequent(er) auszuschöpfen.

ABER, was vielleicht einfach klingt, ist in der Umsetzung nicht immer wirklich einfach. Denn dieser Bereitschaft der Patienten zur verstärkten Nutzung von digitalen Gesundheitslösungen stehen die tatsächlichen Gegebenheiten gegenüber. In der Sitzung vom 19. Dezember 2019 zog der Sachverständigenrat eine Zwischenbilanz über die bisherige Diskussion der elektronischen Patientenakte und der digitalen Nutzung medizinischer Daten für bessere Forschung und Versorgung. Kurz zusammengefasst: Die Bilanz ist eher ernüchternd. „Der Rat beobachtet mit Sorge die bundesdeutsche Debatte über die Ausgestaltung der elektronischen Patientenakte. Sie könnte dazu führen, dass Deutschland einen wenig sinnvollen Sonderweg bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens geht. Hierzulande wird viel über die wichtigen Themen Datenschutz und Datensicherheit diskutiert, aber wenig über die Chancen eines lernenden Gesundheitssystems und einer verantwortlichen Datennutzung für eine bessere Gesundheitsversorgung“, erklärte der Vorsitzende des Sachverständigenrates und Allgemeinmediziner Prof. Dr. Ferdinand Gerlach.

In dem Zusammenhang gibt es aber auch durchaus positive Aspekte und zukunftsorientierte Neuerungen zu berichten: So ist am 1. Januar 2020 das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) in Kraft getreten. Ralph Lägel, Geschäftsführer der Cap4Health GmbH & Co. KG, startet in einer Serie über das DVG mit einem Überblick. Für ihn sind insbesondere zwei Aspekte dieses Gesetzes wegweisend: Einerseits unterstreicht es nachdrücklich den Willen des Gesetzgebers, die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens generell voranzutreiben. Andererseits eröffnet es digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) einen neuen Weg in die Regelversorgung, der bewusst von den etablierten Zugangsritualen abweicht.

Wir stehen am Beginn eines neuen Jahrzehnts – das ist doch Anlass genug, um noch viel mehr solcher wegweisender und zukunftsorientierter Entscheidungen in Angriff zu nehmen. Und vielleicht ist es auch der ideale Zeitpunkt für eine Neuorientierung auf einer anderen Ebene: Was wäre, wenn zukünftig Entscheidungen weniger von der berühmten „German Angst“, als vielmehr von noch mehr Mut getrieben wären. Und vielleicht kursiert dann zum Start des nächsten neuen Jahrzehnts der Begriff des „German Mut“ ... aber dann müssen wir jetzt wirklich loslegen!

Eine spannende Lektüre wünscht

Ihre
Jutta Mutschler
Leitende Redakteurin „Market Access & Health Policy“ (mutschler@healthpolicy-online.de)


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