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Editorial

Das Prinzip der „lernenden Systeme“

Welchen Nutzen können die kognitive Neurowissenschaft, Neuroökonomie und Neuro Public Health auf die Veränderungen und Herausforderungen im Gesundheitssystem beisteuern? Und wie beeinflusst und verändert die kognitive Neurowissenschaft die Arbeit im Bereich des Market Access? Einblicke in den Bereich der Neurowissenschaften bietet Dr. Alexander Wilke, Gründer und Leiter des ANIMUS Zentrum sowie Director Market Access in einem pharmazeutischen Unternehmen. Darüber hinaus nimmt Wilke auch Stellung zum GKV-Finanzstabilisierungsgesetz und den möglichen Folgen für das AMNOG:  Er befürchtet, dass „wir immer mehr in einen Preisfestsetzungs-Algorithmus geraten. Das hat mit Verhandlung auf Augenhöhe nicht mehr viel zu tun. Die Speere sind noch ungleicher geworden. Von einem lernenden System haben wir uns meines Erachtens nun noch weiter entfernt“. Sein Wunsch an das „lernende System“ AMNOG: Neben der klinischen Evidenz sollte auch die Patienten-Evidenz mehr Berücksichtigung im Nutzenbewertungsprozess finden. „Einen guten Dreiklang bilden die klinische Evidenz, versorgungsökonomische Evidenz und die Patienten-Evidenz und dieser Dreiklang würde eine
holistische Nutzenbewertung erlauben“, erklärt Dr. Alexander Wilke.

Zur Weiterentwicklung des AMNOG nimmt auch Professor Josef Hecken, Unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Stellung. Er spricht über die Entwicklungen in Hinblick auf die europäische HTA-Bewertung sowie die Herausforderungen bei der zweckmäßigen Vergleichstherapie. Auf die Frage, ob das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz letztlich eine Abkehr von der Nutzenorientierung bedeute, antwortet Hecken: „Das ist eine Entscheidung, die der Gesetzgeber voraussichtlich treffen wird, und wir müssen damit leben.“ Er sehe allerdings keine Einschränkung bei der Bandbreite der Entscheidungen. Hecken weiter: „Zwar müssen wir die genannten Zusatznutzenlevels künftig gleichbehandeln. Aber im Arztinformationssystem werden wir das Ausmaß des Zusatznutzens sehr dezidiert ausweisen, um so weiterhin einen Mehrwert für alle Verordner zu schaffen. Diese Möglichkeit wird mit dem aktuellen Gesetzentwurf in keiner Weise tangiert.“

Welche Bedeutung das Thema Wissenschaftskommunikation für den Wissenschaftsstandort Deutschland, für innovationsgetriebene, forschende Pharma-Unternehmen, die Wissenschaftscommunity und last but not least die interessierte Bevölkerung haben sollte, macht Markus Hardenbicker, Director Communication & Public Affairs sowie Mitglied der Geschäftsleitung bei Janssen-Cilag, im Interview deutlich. Die Corona-Pandemie hat uns allen vor Augen geführt, wie wichtig Wissenschaftskommunikation sein kann – aber um erfolgreich zu sein, muss sie bestimmte Faktoren erfüllen. Die Corona-Pandemie hat nach Einschätzung des Kommunikationsexperten auch gezeigt, dass eine klare Trennung zwischen wissenschaftlicher und politischer Kommunikation getroffen werden muss. „Vertrauens- und glaubwürdige Kommunikation in Pandemiezeiten ist herausfordernd, wenn eine Orientierungsinstanz fehlt. Vielleicht hätte die Wissenschaft auch klarer konstatieren müssen: Wir geben euch die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Zeitpunkt X. Die Politik trifft aber die Entscheidungen.“ Mit Blick auf Pandemic Preparedness fordert Hardenbicker, „dass wir aus diesen Erkenntnissen Lehren ziehen und uns für die Zukunft gut aufstellen“.

Nur wer übernimmt die Verantwortung, dass Lehren nicht nur angemahnt, sondern auch gezogen werden und im Sinne der von Markus Hardenbicker erwähnten Pandemic Preparedness auch konkrete Maßnahmen festgehalten werden? Da müssen Wissenschaft und Politik gemeinsam agieren: Die Wissenschaft liefert die notwendigen Erkenntnisse und die Verantwortlichen in der Politik müssen daraus einen Maßnahmenkatalog für die Bevölkerung entwickeln. Damit ein solcher Krisen- und Vorbereitungs-Plan wirklich von Nutzen ist, muss Thema Kommunikation als ein zentraler Erfolgsfaktor aufgenommen werden. Denn wie schlechte Kommunikation funktioniert, haben wir schon zu oft erlebt. Lernende Systeme sollten in vielen Bereichen zum Standard werden.

 

Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen

Jutta Mutschler
Leitende Redakteurin „Market Access & Health Policy“ (mutschler@healthpolicy-online.de)