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Editorial

Mehr Transparenz wagen

In gewisser Weise ist es eine vergleichbare Gesetzmäßigkeit: So wie Kinder (und vielleicht auch der ein oder andere Erwachsene) vor Weihnachten ihre Wunschzettel schreiben, werden auch vor Bundestagswahlen von zahlreichen Institutionen und Verbänden Wunschzettel, pardon, ich meine Positionspapiere verfasst, um die zukünftig politisch Verantwortlichen auf die wichtigsten Bedürfnisse, dringendsten Veränderungspotenziale und Reformnotwendigkeiten aufmerksam zu machen. Im Herbst steht die nächste Bundestagwahl an und pünktlich dazu werden auch die Positionspapiere der verschiedenen Interessengruppen im Gesundheitswesen veröffentlicht. In diesem Jahr wird dabei offensichtlich, dass Lehren aus der Corona-Pandemie auf verschiedenen Ebenen und in den unterschiedlichsten Bereichen gezogen werden müssen. Eines hat diese Pandemie uns allen vor Augen geführt – nämlich wie rückständig Deutschland im Bereich der Digitalisierung aufgestellt ist. In nahezu allen Positionspapieren wird das Thema Vorantreiben der Digitalisierung und das Nutzen der damit einhergehenden Chancen gerade im Gesundheitsbereich angemahnt. Aber es fällt noch etwas weiteres auf: Auch das Thema Transparenz spielt eine ganz zentrale Rolle. Es geht dabei – hoffentlich – nicht um die Einführung eines weiteren Buzzwords, das gerade hip ist. Vielmehr erfordert der Zeitgeist einen Wandel. Offen sein und Einblicke in Prozessabläufe und Entscheidungen beispielsweise als Krankenkasse den Versicherten zu gewähren, unterstützt auch die Patientensouveränität. Als mündige Bürger:innen kann man nur agieren, wenn Politik und Institutionen transparent agieren. Wir müssen wegkommen von der Lesart, dass Transparenz bedeutet „ich mache mich angreifbar“ hin zur Deutung „ich habe nichts zu verbergen“. Nur mit Offenheit kann Partizipation der Versicherten und Patient:innen im Gesundheitssystem gelingen.

Passend zum Thema hat Prof. Dr. Claudia Schmidtke, die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, eine Umfrage präsentiert, die die Transparenzbemühungen der verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen genauer unter die Lupe nahm. Fazit: Es tut sich was, aber es gibt noch Luft nach oben. Besonders herausgestellt hat die Patientenbeauftragte die vom BKK Dachverband ins Leben gerufene Transparenz- und Qualitätsoffensive. Bei der Vorstellung des ersten Kundenreports der BKK, in dem die Qualität der Krankenkassen und die Erwartungen der Versicherten abgefragt wurden, zeigte sich laut Franz Knieps, Vorstand des BKK Dachverbandes, eine hohe Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger mit dem Gut Krankenversicherung. Doch Knieps äußerte sich auch durchaus selbstkritisch in Bezug auf das Selbstverständnis der Krankenkassen: „Derzeit sieht sich eine Mehrheit der Krankenkassen primär in der Rolle des Finanziers. Auf diese Diskrepanz sollten wir reagieren und vom Payer zum Player, zum Gestalter, zum Unterstützer der Versicherten werden!“ Knieps hob bei der Vorstellung des Kundenreports hervor, dass die Frage nach der zukünftigen Rolle der Krankenkassen eine Herzensangelegenheit sei. In seinen weiteren Ausführungen machte er unmissverständlich klar, dass er die Krankenkassen weder in der Rolle der Sparkasse noch des Finanzamts des Gesundheitswesens sehe. Er forderte mehr Gestaltungsspielraum von Seiten der Politik – so sei unter anderem eine Reform des SGB V dringend erforderlich.

Dass auf den/die nächste(n) Bundesgesundheitsminister(in) enorme Aufgaben in der nächsten Legislaturperiode zukommen, machen nicht nur die verschiedenen Positionspapiere deutlich, sondern auch angesichts leerer Kassen bei den gesetzlichen Krankenversicherungen gilt es, Reformen anzustoßen, die die finanziellen Herausforderungen nicht nur für eine Legislatur „flickschustern“. Langfristige und nachhaltigere Lösungen sind notwendig. Es gibt viel zu tun –  nicht nur hinsichtlich Transparenz.

Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen


Jutta Mutschler
Leitende Redakteurin „Market Access & Health Policy“ (mutschler@healthpolicy-online.de)

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