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Die Wechselwilligen

11.09.2014 17:25
Wie ticken Life-Science-Experten? Was ist ihnen im Berufsalltag wichig? Und wie können Unternehmen die Bedürfnisse der Mitarbeiter auf Dauer erfüllen? Diesen Fragen ging die Sinus Personalmanagement GmbH nach und startete eine Umfrage unter Pharma- und MedTech-Professionals. Die Antwortergebnisse von 166 Befragten offenbaren deutliche Defizite auf Arbeitgeberseite. Um dem entgegenzuwirken, raten daher die Sinus-Experten den Personalverantwortlichen in der Life-Science-Industrie, sich stärker als bisher den Kandidaten und den Mitarbeitern zuzuwenden.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass 73 Prozent der befragten Life Science-Experten derzeit bereit sind, innerhalb der nächsten zwölf Monate ihre Arbeit zu wechseln. Von denen, die in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis stehen, geben ganze 50 Prozent an, wechselwillig zu sein.

Eine weitere interessante Entdeckung der Studie ist, dass  bei der Jobsuche der Life-Science-Professionals offenbar weniger die klassischen Merkmale wie Firmenimage, Unternehmensgröße oder eine aussagekräftige Karriere-Website im Vordergrund stehen. Vielmehr geht es den Arbeitnehmern um „weiche Faktoren“. 87 Prozent der Life Science-Experten halten interessante Arbeitsinhalte, 66 Prozent der Befragten die Chance, persönliche, familiäre und berufliche Interessen in Einklang zu bringen, für entscheidende Kriterien bei der Suche nach einem neuen Arbeitsumfeld.

Bei den Young Professionals treten diese Faktoren noch stärker in den Vordergrund. So geben 75 Prozent der unter 40-jährigen Befragten an, bei der Jobsuche besonderen Wert darauf zu legen, dass persönliche, familiäre und berufliche Interessen in Einklang gebracht werden können.

Hingegen fällt das Antwortverhalten von Life-Science-Managern, die eine Führungsposition inne und Karriereaspekte stärker im Blick haben, anders aus. Bei der Jobsuche legt diese Gruppe einen deutlich höheren Wert auf die „harten“ Fakten. So messen jeweils 54 Prozent der Life-Science-Experten mit Führungsverantwortung Internationalität sowie den Produkten und Dienstleistungen des Unternehmens eine hohe Wichtigkeit im Rahmen der Jobsuche bei. Auch der Unternehmensgröße wird von dieser Teilgruppe eine höhere Bedeutung zugesprochen (27 Prozent).

Karrieremessen beliebt

Was die Suchkanäle betrifft, so zeigt die Umfrage, dass die Jobsuche von Life-Science-Experten größtenteils (93 Prozent) digital abläuft. Durchsucht werden allgemeine Jobportale wie Stepstone oder Monster, aber auch Life Science-spezifische Jobportale wie jobvector. Hinzu kommen die klassischen Karriere-Websites von Unternehmen (80 Prozent) sowie die Online Business-Netzwerke (70 Prozent) wie XING oder LinkedIN.
Im Hinblick auf die Young Professionals liefert die Studie eine weitere Erkenntnis: Neben der intensiven Nutzung digitaler Medien legen sie – stärker als die übrigen Befragten – einen hohen Wert auf berufsbezogene Veranstaltungen (z. B. Karrieremessen), die eine erste persönliche Kontaktaufnahme mit dem potenziellen Arbeitgeber ermöglichen.

Während der persönliche Kontakt also besonders wichig zu sein scheint, fällt die Bedeutung von Social Media geringer aus, als erwartet. Gerade einmal 4 Prozent der Befragten geben an, soziale Netzwerke wie Facebook für die Jobsuche zu nutzen. Dennoch gehen die Sinus-Experten davon aus, dass Social Media langfristig betrachtet die Personalbeschaffung spürbar beeinflussen werden. „Vor allem für die Rekrutierung von Praktikanten, Werkstudenten und Hochschulabsolventen ist künftig von einer steigenden Bedeutung auszugehen“, lautet die Prognose.

Schlechte Kommunikation

Deutliche Mängel sind durch die Studie vor allem in der Rekrutierungspraxis der Unternehmen deutlich geworden. Fast jeder zweite Bewerber bewertet das Rekrutierungsverfahren als nicht zufriedenstellend. Besonders schlecht schneiden unter den Yong Professionals die Rekrutierungsprozesse ab: Zwei Drittel von ihnen sind damit wenig bis gar nicht zufrieden. Punkten können die Unternehmen bei den Befragten lediglich in den persönlichen Bewerbungsgesprächen.

Die Gründe für die Unzufriedenheit der Bewerber beziehen sich auf die Kommunikationspraxis bei Absagen: Fast drei Viertel aller Befragten bekommen nach einer Absage nicht einmal eine Begründung für ihr Scheitern im Rekrutierungsprozess. Rund 60 Prozent bemängeln, dass sie gar kein Feedback zum Bewerbungsgespräch erhalten. Zudem empfinden 70 Prozent der Befragten ihr Bewerbungsverfahren insgesamt als intransparent, 53 Prozent haben den Eindruck, dass der Bewerbungsprozess vom Unternehmen nicht strukturiert und zügig vorgenommen wird. Das Fehlen einer Eingangsbestätigung bemängeln außerdem 30 Prozent der Studienteilnehmer.

Wertschätzung ist alles

Die wichtigste Bedeutung in Bezug auf eine hohe Arbeitgeber-Attraktivität messen 89 Prozent der befragten Life Science-Experten vor allem einer wertschätzenden Unternehmenskultur und einem guten Betriebsklima bei. An zweiter Stelle stehen interessante Arbeitsinhalte (86 Prozent), gefolgt von einem fairen und angemessenen Grundgehalt (84 Prozent).

Die oftmals diskutierte hohe Bedeutung von Beschäftigungssicherheit im Zusammenhang mit der Mitarbeiterbindung konnte in der Studie nicht belegt werden. Ebenso wenig waren Flexibilitätsaspekte wie flexible Arbeitszeitmodelle oder die Möglichkeit im Home Office zu arbeiten, über die gesamte Befragung gesehen, entscheidend für die Attraktivität eines Arbeitgebers.

Ein anderes Antwortverhalten ist jedoch zu beobachten, wenn man die spezifischen Befragungszielgruppen genauer beleuchtet. Speziell bei den überwiegend weiblichen Young Professionals ist die Erwartung in punkto Vereinbarkeit von Beruf und Lebenssituation besonders stark ausgeprägt.

Ausgabe 05 / 2014

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