Sie sind hier: Startseite Studien Die Zahl der Verordnungen wächst
x
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Die Zahl der Verordnungen wächst

11.09.2014 17:43
Für die Kostenträger stellt die Multiple Sklerose eine der ausgabenstärksten Indikationsgruppen dar. Wie die aktuelle Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) zeigt, hat sich die Zahl der Verordnungen von Medikamenten zur Behandlung der Multiplen Sklerose in der PKV von 2007 bis 2012 mehr als verdoppelt. Als Ursache für die deutliche Zunahme betrachten die Studienexperten vor allem die steigende Zahl der MS-Patienten infolge der verbesserten Diagnoseverfahren und des daraus resultierenden früheren Behandlungsbeginns. Ein weiterer Grund sei in den neuen MS-Medikamenten zu suchen, die vielfach eine zusätzliche Therapieoption („add-on“) zu älteren Präparaten darstellten.

Die größten Ausgaben innerhalb der MS-Medikamente verursachte bei Privatversicherten „Copaxone“ (Glatirameracetat). Die PKV-Ausgaben für dieses Präparat lagen laut WIP im Jahr 2012 bei 18,6 Millionen Euro.
Dies entspricht einem Umsatzanteil von 0,75 Prozent an allen Arzneimittelausgaben. „Copaxone“ rangiere somit in der Umsatzrangliste der umsatzstärksten Medikamente in der PKV auf Platz 13.

Ausgaben von mehr als 10 Millionen Euro im Jahr hat das Institut für die Medikamente „Avonex“ (Interfern-beta-1a), „Rebif“ (Interferon-1a) und „Betaferon“ (Interferon-beta-1b) ausgerechnet. Die beiden Präparate der Eskalationstherapie „Tysabri“ (Natalizumab) und „Gilenya“ (Fingolimod) wiesen Umsätze von 8,1 Millionen beziehungsweise 5,9 Millionen Euro auf. Neben „Copaxone“ befinden sich auch „Avonex“ (Platz 15) und „Rebif“ (Platz 16) unter den TOP-20 Medikamenten der PKV nach Umsatz. Dies unterstreiche die Bedeutung der Multiplen Sklerose für die Ausgaben der PKV, wie die Studienautoren betonen. „Betaferon“ befinde sich darüber hinaus als viertwichtigstes Präparat auf Platz 34. Insgesamt betrugen die Ausgaben der PKV für die untersuchten MS-Arzneimittel im Jahr 2012 79,9 Millionen Euro.

Im Zeitablauf stellt das WPI einen Anstieg der Ausgaben für MS-Medikamente fest. „Dies ist vor allem für die Entwicklung ab 2011 bemerkenswert, da die PKV-Unternehmen seitdem den gesetzlichen Herstellerabschlag einfordern können und auf die MS-Medikamente ein erhöhter Herstellerrabatt von 16 Prozent angesetzt wird“, so die Autoren.

Unter Berücksichtigung des gesetzlichen Herstellerabschlages gaben die PKV-Unternehmen im Jahr 2012 79,9 Millionen Euro   für Medikamente zur Behandlung der Multiplen Sklerose aus. Ohne Herstellerrabatt lägen die Ausgaben bei 91,2 Millionen, rechnen die PKV-Experten vor.

Anstieg trotz Abschlag

Als Vergleich führen sie die Ausgaben der PKV-Unternehmen in diesem Indikationsbereich aus dem Jahr 2007 an: 32,6 Millionen Euro. „Dies waren nur knapp 41 Prozent des Betrages im Jahr 2012, das heißt, die Ausgaben haben sich in den beobachteten sechs Jahren um den Faktor 2,44 beziehungsweise um 47 Millionen erhöht“, erklären die Studienexperten.

Ohne gesetzlichen Herstellerabschlag müssten die PKV-Unternehmen im Jahr 2012 sogar 58,6 Millionen mehr für MS-Medikamente ausgeben als im Jahr 2007, setzen sie fort. Die deutlichen Zunahmen in den Jahren 2011 und 2012 seien vor allem den Mehrausgaben für die Medikamente, die in diesen Jahren neu zugelassen wurden (vor allem „Gilenya“ und „Fampyra“), zuzurechnen. Nur ein kleiner Teil des aufgezeigten Kostenanstiegs sei der zunehmenden Versichertenzahl in der PKV geschuldet.

Im Jahr 2012 lagen die Ausgaben der PKV für MS-Medikamente je 1.000 Versicherte bei 8.884 Euro. 2007 betrug der Wert noch 3.808 Euro. Damit liegen die Ausgaben im Jahr 2012 beim 2,33-fachen des 2007er Wertes. Die durchschnittlichen Ausgaben pro MS-Patient lagen 2012 für die betrachteten MS-Medikamente bei 15.398 Euro. Bei den Männern (15.466 Euro) lagen diese etwas höher als bei den Frauen (15.339 Euro).
In einer Querschnittsanalyse für das Jahr 2012 zeige sich eine auffällige Streuung der Ausgaben zwischen den MS-Patienten, stellen die WIP-Experten außerdem fest. Der Median liege bei 17.125 Euro und damit über dem Durchschnitt. Es liege damit keine Normalverteilung, sondern eine schiefe Verteilung vor.

Knapp ein Viertel (24,3 Prozent) aller MS-Patienten weist Jahresausgaben für MS-Medikamente zwischen 15.000 und 20.000 Euro auf. Bei einem Fünftel (20,3 Prozent) liegen die Ausgaben zwischen 20.000 und 25.000 Euro. Sehr hohe Ausgaben von mehr als 30.000 Euro lassen sich bei 4,1 Prozent aller MS-Patienten feststellen. Bei einem Fünftel (20,0 Prozent) der Personen, die mindestens ein Medikament zur Behandlung der Multiplen Sklerose zur Erstattung eingereicht haben, liegen die Ausgaben unter 5.000 Euro und damit deutlich unter den Jahrestherapiekosten der MS-Medikamente.

Ein weiteres Studienergebnis ist, dass die Behandlungsprävalenz bei Frauen in der PKV etwa 2,3 mal höher als die bei den Männern ist. Dies entspreche auch dem in anderen Studien ermittelten Verhältnis, schreiben die Verfasser. Unterschiede in der Inzidenz, der Verlaufsform und der verordneten Therapie konnten zwischen den Geschlechtern ebenfalls herausgearbeitet werden.

Auffällig seien vor allem die überdurchschnittlich hohen Behandlungsprävalenzen (Faktor: 3,8) sowie höhere Krankheitsaktivitäten bei den jungen Frauen (21- bis 25-Jährige) im Vergleich zu den gleichaltrigen Männern. Dafür scheinen Männer eher zur sekundär-progredienten Verlaufsform zu wechseln und anteilig häufiger Medikamente zur symptomatischen Therapie zu erhalten.

Im Fazit der Studie nennen die Autoren den hohen Preis von neuen MS-Medikamenten einen „zunehmenden Kostenfaktor“. Vor allem mit dem neuen Präparat „Lemtrada“ sei ein neuer Preiskorridor geschaffen worden. Sie gehen davon aus, dass künftig weitere teurere MS-Medikamente folgen werden. Ausgabensteigernd soll zudem ab 2014 der niedrigere gesetzliche Herstellerrabatt wirken sowie das Fehlen einer Kosten-Nutzen-Bewertung inklusive folgender Erstattungspreisverhandlung bei Wirkstoffen, die schon vor dem Inkrafttreten des AMNOG zuge-lassen waren.

Ausgabe 05 / 2014

Artikelaktionen