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Je teurer, desto (eher) zurückhaltender

13.05.2015 17:31
Dass Privatversicherte 39 Prozent mehr neue Medikamente im Vergleich zu Versicherten der GKV erhalten, fand die Studie „Arzneimittelversorgung der Privatversicherten 2013“, die vom Wissenschaftlichen Institut der PKV (WIP) im Auftrag seines Trägers erstellt wurde, heraus. Nach Erkenntnissen dieser Studie spielen vor allem Medikamente, denen vom G-BA im Rahmen der Nutzenbewertung ein beträchtlicher Zusatznutzen attestiert wurde, in der Privaten Krankenversicherung (PKV) eine deutlich größere Rolle als in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Dagegen sei bei Medikamenten ohne attestierten Zusatznutzen im Durchschnitt über alle betroffenen Präparate kein wesentlicher Unterschied zwischen PKV und GKV erkennbar.

Nach Studienaussagen liegt der durchschnittliche Marktanteil der Privatversicherten bei den neuen Medikamenten des 2013er Jahrgangs bei 15,7 Prozent und damit deutlich über dem PKV-Versichertenanteil in der Gesamtbevölkerung (11,3 Prozent). Für die Medikamente mit beträchtlichem Zusatznutzen laut G-BA aus den Jahren 2011 bis 2013 ergibt sich ein PKV-Marktanteil von 16,2 Prozent, bei denen mit geringem Zusatznutzen von 14,2 Prozent. Der PKV-Marktanteil für Medikamente ohne Zusatznutzen liegt hingegen nur bei 11,1 Prozent.

Ursache für diesen Versorgungsunterschied sind – so Studienautor Dr. Frank Wild – die umfassenden Steuerungsinstrumente, die der Arzt bei Verschreibungen für GKV-Versicherte zu beachten hat. Diese Regularien gelten auch bei Medikamenten mit nachgewiesenem Zusatznutzen und führen vor allem bei teuren Medikamenten zu einer zurückhaltenden Verordnungs-praxis gegenüber GKV-Versicherten. Bei Privatversicherten existieren derartige Regulierungsinstrumente hingegen nicht. Wilds Schlussfolgerung: „Infolgedessen fällt der PKV-GKV-Unterschied bei neuen Medikamenten umso größer aus, je teurer ein Medikament ist.“

Das umsatzstärkste neue Medikament des 2013er Jahrgangs ist „Xtandi“ (Enzalutamid). Es wird zur Behandlung des metastierenden kastrationsresistenten Prostatakarzinoms verordnet und ist deshalb als Konkurrenzprodukt zu „Zytiga“ (Abirateron) zu sehen. Beiden Präparaten wurde vom G-BA für bestimmte Patientengruppen ein beträchtlicher Zusatznutzen bescheinigt; auch die Jahrestherapiekosten sind mit etwas über 57.000 Euro fast identisch. Im Zeitraum von September 2013 bis Dezember 2013 lagen die PKV-Ausgaben für „Xtandi“ (Enzalutamid) bei 1,6 Mio. Euro. Der PKV-Marktanteil beträgt 21,0 %.
Er liegt damit deutlich über dem PKV-Versichertenanteil (11,3 %).

Auf Rang zwei ist mit „Stribild“ (Elvitegravir-Kombination). Im zweiten Halbjahr des Jahres 2013 verursachte „Stribild“ PKV-Ausgaben in Höhe von 1,2 Mio. Euro. Auch hier erhalten Privatversicherte dieses Medikament anteilig etwas häufiger als GKV-Versicherte; der PKV-Marktanteil liegt bei 17,1 %.
Auf Platz drei befindet sich „Stivarga“ (Regorafenib), das vom G-BA im Vergleich zu „Best supportive Care“ einen geringen Zusatznutzen attestiert wurde. Die PKV-Ausgaben für dieses Präparat lagen von Oktober 2013 bis Dezember 2013 bei 0,5 Mio. Euro und der PKV-Marktanteil bei 12,1 %.

Ausgabe 03 / 2015

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