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Editorial

Starke Stimme auf der Weltbühne

Keine Sorge – Sie haben nicht die falsche Zeitschrift in der Hand. Auch wenn die Überschrift möglicherweise auf den ersten Blick suggeriert, dass an dieser Stelle eine Opernkritik folgt. Es geht nicht um die Stimme von Anna Netrebko oder Jonas Kaufmann auf einer der großen Bühnen dieser Welt. Nein – in diesem Fall geht es um Europa und einen Wunsch der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Ende November letzten Jahres wurde in Brüssel die „Arzneimittelstrategie für Europa“ präsentiert. Im Papier werden die wichtigsten Ziele der europäischen Gesundheitspolitik der nächsten Jahre skizziert. In dem EU-Kommissions-Behördensprech klingen dann zukünftige Visionen eben auch manchmal wie eine Mischung aus Opernkritik und Formulierungen aus dem „Technokraten-Wörterbuch“, wenn ein Ziel als „Gewährleistung einer starken Stimme der EU auf der Weltbühne durch Förderung hoher Qualitäts-, Wirksamkeits- und Sicherheitsstandards“ beschrieben wird. Doch gerade die Corona-Pandemie hat uns in vielen Bereichen vor Augen geführt, dass Gesundheitspolitik nicht einfach nur ein Randthema, sondern zentral ist – und zwar nicht nur im Hinblick auf die Bekämpfung einer globalen Pandemie. Im Interview analysiert Dr. Alexander Natz das europäische Strategiepapier. Seiner Ansicht nach hat die „Europäische Kommission in dem Dokument in der Tat wegweisende Überlegungen angestellt, wie die Arzneimittelmärkte in der EU nachhaltig gestaltet und an den technischen Fortschritt angepasst werden können“. Er betont dabei ebenso, dass „die Pharmagesetzgebung der EU essenziell für die pharmazeutische Industrie in Europa“ sei. Also auch wenn viele gesundheitspolitische Bereiche unter die jeweilige Länderentscheidungshoheit fallen, spielen europäische Entscheidungen eine immer wichtigere Rolle.

Doch was die starke Stimme auf der Weltbühne betrifft, muss sich Europa in vielen Bereichen deutlicher positionieren und Dinge auch klarer umsetzen, um von den USA und China nicht komplett abgehängt zu werden und zu einem ungehörten Stimmchen im großen Weltchor zu werden. Denn salopp gesprochen: Alles hängt heutzutage mit allem zusammen – ohne Digitalisierung funktioniert auch die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens nicht, um nur ein kleines Beispiel zu nennen.

Wie wichtig es ist, nicht nur mit einer Stimme zu sprechen, sondern auch gemeinsam zu handeln, zeigt das Beispiel der Covid-19-Impfstoffbeschaffung innerhalb der Europäischen Union. Die gemeinsame Vorgehensweise der EU ist u.a. in Deutschland zum Teil massiv kritisiert worden. Diese Kritik ist für Dr. Hans-Georg Feldmeier, Vorsitzender des Bundesverbands der pharmazeutischen Industrie (BPI), nicht nachvollziehbar. Seiner Einschätzung nach hat die EU „richtigerweise mit allen potenziellen Impfstoffherstellern verhandelt“, somit habe man das Risiko auf mehreren Schultern verteilt. Die EU-einheitliche Beschaffungsstrategie hält Feldmeier für richtig. „Die Pandemie ist ein globales Problem, dass nur gemeinsam zu lösen ist. Nationale Alleingänge à la ‚America first‘ verbieten sich. Es geht auch nicht alleine um die Produktionskapazitäten in Deutschland und der EU, sondern um sehr komplexe und globale Prozesse der Beschaffung für die Produktion der Impfstoffe. Ein globales Problem kann man nur mit gemeinsamen Anstrengungen aller lösen.“


Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen


Jutta Mutschler
Leitende Redakteurin „Market Access & Health Policy“ (mutschler@healthpolicy-online.de)

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