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Deutsche Leberstiftung zum Welt-Hepatitis-Tag: Früherkennung ist bei Virushepatitis wichtig

22.07.2020 16:52
„Hepatitis: Findet die fehlenden Millionen!“ lautet auch in diesem Jahr das Motto, das im Rahmen einer dreijährigen Kampagne der World Hepatitis Alliance (WHA) die Forderungen des Welt-Hepatitis-Tages am 28. Juli 2020 fokussiert. Gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verfolgt die WHA am Welt-Hepatitis-Tag das Ziel einer globalen Sensibilisierung der Bevölkerung.

Hepatitis-Viren sind auf der ganzen Welt verbreitet. Virushepatitiden – durch Viren verursachte Leberentzündungen – zählen zu den bedeutendsten Infektionskrankheiten. Man unterscheidet derzeit Hepatitis A, B, C, D und E. Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichte im Juli 2019 aktualisierte Daten, die zeigen, dass in Deutschland die Zahlen zu allen fünf Virustypen in den vergangenen Jahren angestiegen sind.

Infektionen mit dem Hepatitis B-Virus (HBV) und dem Hepatitis C-Virus (HCV) können chronische Leberentzündungen und im weiteren Verlauf auch Leberzellkrebs (Hepatozelluläres Karzinom, HCC) verursachen. Nach Schätzungen der WHO leben weltweit circa 257 Millionen Menschen mit einer Hepatitis B-Virusinfektion und circa 71 Millionen mit einer Hepatitis C-Virusinfektion – und die meisten der infizierten Menschen wissen nichts von ihrer Erkrankung. Auch für Deutschland geht die WHO von hohen Zahlen aus: etwa 250.000 Menschen sollen mit dem Hepatitis C-Virus und circa 200.000 bis 400.000 Menschen mit dem Hepatitis B-Virus infiziert sein.

Im Jahr 2016 hat die WHO das Ziel vorgegeben, Hepatitis B und C bis 2030 weltweit zu eliminieren. Auch die deutsche Bundesregierung hat sich 2016 zu einer strategischen Neuausrichtung verpflichtet und beschloss die Strategie „BIS 2030“ – zur „Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen“. Theoretisch könnte das angestrebte Ziel einer Eliminierung von Hepatitis B und C erreicht werden: Als Therapie gegen eine chronische Hepatitis B können wirksame Medikamente verordnet werden, mit denen bei fast jedem Patienten eine Viruskontrolle erreicht werden kann. Eine Impfung, die von der WHO seit 1992 empfohlen wird, schützt vor Hepatitis B – und gleichzeitig auch vor Hepatitis D (delta), da diese Erkrankung nur mit einer Hepatitis B gemeinsam vorkommen kann. Eine Impfung gegen das Hepatitis C-Virus existiert zwar nicht, aber seit 2014 sind in Deutschland zahlreiche Medikamente zur Behandlung der chronischen Hepatitis C zugelassen, die direkt in den Vermehrungszyklus des Virus eingreifen (sogenannte DAAs – Direct Acting Antiviral Agents) und mit denen die chronische Hepatitis C bei fast allen Patienten in kurzer Zeit und nahezu nebenwirkungsfrei geheilt werden kann.

Doch trotz der vorhandenen Therapie- und Schutzmöglichkeiten lassen die aktuellen Zahlen die WHO daran zweifeln, dass Deutschland das Eliminierungsziel erreichen wird. Damit die erfolgreichen Therapien eingesetzt werden können, ist eine Identifizierung der Betroffenen notwendig. „Solange die Infizierten nichts von ihrer Erkrankung wissen, können sie nicht behandelt werden. Daher ist die Identifizierung von Erkrankten eine wichtige Voraussetzung für die Elimination der Hepatitis B und C“, erläutert der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Leberstiftung, Professor Dr. Michael P. Manns.

Auch für die Hepatitis delta, die Virushepatitis mit dem schwerwiegendsten Verlauf, besteht eine neue, bahnbrechende Behandlungsmöglichkeit. Nach vielversprechenden Ergebnissen einer 2019 veröffentlichten Phase 2b-Studie mit Bulevirtide (Myrcludex B), einem Eintrittshemmer für das Hepatitis B- und D-Virus, wird eine Zulassung des Medikaments in Kürze erwartet. Mit dieser Therapie kann bei fast allen Patienten eine deutliche Reduktion der HDV-Viruslast erreicht werden, was zu einer Verringerung der Leberentzündung führt.

„Wir haben in den letzten Jahren in der Therapie der verschiedenen Virushepatitiden viel erreicht. Nun müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass diese positiven Entwicklungen auch allen Betroffenen zugutekommen. Hier ist auch die Politik gefordert“, betont Professor Dr. Michael P. Manns die Bedeutung der Früherkennung.

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