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EU-Gesundheitssysteme: Umverteilung von Ressourcen dringend notwendig

18.07.2019 13:37
Im Auftrag der Europäischen Kommission sprechen internationale GesundheitsexpertInnen jetzt eine Reihe an Empfehlungen aus, die die Umverteilung in Gesundheitssystemen auf eine echte, wertebasierte Grundlage stellen sollen. Beim aktuellen Druck, Ressourcen effizienter zu nutzen, kann ihrer Meinung nach die europäische Solidargemeinschaft für das Gesundheitssystem nur so nachhaltig gewahrt bleiben. Das Ludwig Boltzmann Institut für Health Technology Assessment aus Wien war in dem Panel durch seine Leiterin, Priv. Doz. Dr. phil. Claudia Wild, vertreten.

10 bis 34 Prozent der Ressourcen im Gesundheitswesen werden verschwendet. So zumindest die Schätzung der OECD*. Vor dem Hintergrund von Ressourcenknappheit besteht Grund zur Sorge, dass aufgrund fehlverwendeter Ressourcen die Gesundheitsversorgung für alle bereits gefährdet ist. „Value-based healthcare“ wird immer häufiger als Lösung diskutiert. Diese „wertebasierte Gesundheitsversorgung“ bezeichnet eine Strategie, Ressourcen im Gesundheitswesen dort einzusetzen, wo sie den meisten (Mehr-)Wert schaffen. Doch wie genau dieser (Mehr-)Wert definiert wird, bleibt unter ExpertInnen wie in öffentlichen Debatten meist unklar. Die Europäische Kommission bat daher hochkarätige internationale GesundheitsexpertInnen um eine Analyse, wie dieser Wert definiert werden und wie das Konzept „wertebasierte Gesundheitsversorgung“ zu einem effektiveren, zugänglicheren und nachhaltigeren Gesundheitssystem beitragen kann. Mit im Panel dabei – eine Vertreterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Health Technology Assessment (LBI-HTA) in Wien.

Solidarität als tragender Wert europäischer Gesundheitssysteme

„Kurz gesagt empfehlen wir, die wertebasierte Gesundheitsversorgung entlang der Leitprinzipien der solidarischen Gesundheitssysteme in Europa zu definieren“, sagt Priv. Doz. Dr. Claudia Wild, Leiterin des LBI-HTA und dessen Vertreterin im ExpertInnen-Panel. „Damit schlagen wir eine Alternative zu den derzeit diskutierten Definitionen vor, die Gesundheitsergebnisse in Relation zum Geldeinsatz oder zu den individuellen Einschätzungen von PatientInnen setzen.“ Tatsächlich befanden die ExpertInnen des Panels diese – zum Teil aus den USA stammenden – Definitionen als zu eng und den Solidaritätsaspekt der europäischen Gesundheitsversorgung außer Acht lassend. Für sie sollte eine wertebasierte Versorgung vielmehr auf 4 Säulen ruhen:

1. Persönlicher Wert: Eine Versorgung, die dem Erreichen persönlicher Ziele von PatientInnen angemessen ist.
2. Technischer Wert: Das Erreichen bestmöglicher Ergebnisse mit den verfügbaren Ressourcen.
3. Allokationswert: Eine gerechte Verteilung der Ressourcen über alle PatientInnen-Gruppen hinweg.
4. Gesellschaftlicher Wert: Einen Beitrag zur sozialen Teilhabe leisten.

Bewusstsein über Wert solidarischer Gesundheitssysteme schafft Nachhaltigkeit

Auch die finanzielle Nachhaltigkeit der allgemeinen Gesundheitsversorgung analysierten die ExpertInnen und schlagen dazu nun eine langfristige Strategie der Ressourcen-Umverteilung vor. Diese beruht auf der Entwicklung eines stärkeren Bewusstseins für Gesundheit als wesentliche Investition in das Wohlergehen der europäischen Gesellschaft – aber auch auf dem Etablieren eines konsistenten Sprachgebrauchs, wenn es um relevante Begriffe wie (im Deutschen) „Verschwendung“, „Angemessenheit“, „Gerechtigkeit und gleicher Zugang“ u.v.a.m. geht. Dr. Wild führt weiter aus: „Wir empfehlen auch die Ausbildung von so genannten „Change Agents“, also von Führungskräften, die diesen Prozess maßgeblich mittragen und -gestalten sollen, sowie Investitionen in die Steuerung, das Monitoring und die Bewertung von Ressourcen-Umverteilungen.“

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